Lausitzer Bündnisgrüne diskutieren die Folgen des Angriffskrieges auf die Ukraine: aus Cottbus soll es Hilfe mit Notgeneratoren und Hilfstransporten geben

05.11.22

Bei einer Gesprächsrunde zu den Folgen des Angriffskrieges auf die Ukraine am Freitagabend im „Grünen Laden Cottbus“ tauschten sich die Lausitzer Bündnisgrünen mit dem Europaabgeordneten Sergey Lagodinsky (Bündnis 90/Die Grünen), der aktuell in Cottbus lebenden Ukrainerin Iryna Solonenko und der Leiterin des Menschenrechtszentrums Cottbus e. V. Heide Schinowsky über aktuelle Entwicklungen aus. Von einem schnellen Ende des Krieges ging keiner der Beteiligten aus.

„Ich vermute, dass Russland die Ukraine im Winter noch stärker bombardieren wird, weil die Bodenoffensive stockt. Einen Luftwaffenabwehrschirm, wie den Iron Dome in Israel wird es für die gesamte Ukraine nicht geben können, weil das Gebiet einfach zu groß ist. Helfen würden vor allem Luftabwehrsysteme, aber auch anderes schweres Gerät“, meinte der Europapolitiker Sergey Lagodinsky. Selbstverständlich müsse die Diplomatie weiter aktiv sein, aber nach den Kriegsverbrechen, und den immer wieder entdeckten Massengräbern gebe es aktuell wenig „Spielraum“ für Verhandlungen, so Lagodinsky. Seit der Europawahl 2019 ist der Rechtsanwalt und Publizist russischer Herkunft Mitglied des Europäischen Parlaments und gilt – neben seiner Funktion als rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion, als profunder Kenner der Lage in Osteuropa und Russland.

Der Europapolitiker fand aber auch kritische Worte: „Postimperialistisch haben wir uns nicht mit Ruhm bekleckert. Es ist völkerrechtlich nicht klar, ob die Interventionen im Kosovo oder Irak zulässig gewesen sind“, sagte Lagodinsky und mahnte auch eine Änderungen der deutschen Entwicklungspolitik an. Unabhängig davon sei es richtig, die Ukraine jetzt weiter zu unterstützen. „Die Türkei und Jordanien haben Syrien als Nachbarn geholfen. Das müssen wir jetzt auch mit unserem Nachbarn Ukraine tun“.

Die in Cottbus lebende Ukrainerin Iryna Solonenko lobte insbesondere die „Solidarität und Empathie“ mit der die Kriegsvertriebenen in der Lausitz empfangen wurden. Die ukrainische Community in Cottbus werde von vielen Kräften in der Stadt unterstützt. Dazu zählen unter anderem die freiwillige Initiative, die die Erstaufnahme von Kriegsvertriebenen organisierten, oder die Gewerkschaft Verdi, die die ukrainische Community in Cottbus bei der Veranstaltung von Ukraine-Demos unterstützt. Auch die Lausitzer Bündnisgrünen unterstützen die Geflüchteten, u. a. dadurch, dass sie sich regelmäßig im Grünen Laden treffen können. Dort werden von Ukrainerinnen selbst unter anderem Workshops und Beratung angeboten. Auch mehrere Bastelnachmittage gab es schon, an denen Kinder Engel für die Soldaten in der Ukraine anfertigten, um mit der Heimat in Kontakt zu bleiben, berichtete Solonenko. Aktuell haben etwa 1.400 Kriegsvertriebene aus der Ukraine in Cottbus Zuflucht gefunden.

Besondere Sorge macht Solonenko der kommende Winter. Durch den Russlands Beschuss wichtiger ziviler Infrastruktur, wurde Energieinfrastruktur in der Ukraine schwer beschädigt oder teilweise zerstört. Sie habe einen Hilferuf erhalten mit einer Liste von Regionen und Gemeinden in der Ukraine, die dringend Diesel-Notgeneratoren für Strom brauchen. Da die Gerätschaften teuer sind, könne dies kaum von Privatleuten bezahlt werden. „Vielleicht könnte man eine Städtepartnerschaft einrichten oder gezielt auf Unternehmen zugehen“, regte die Vorstandsprecherin der Cottbuser Bündnisgrünen Doris Tuchan an dem Abend an. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Brandenburger Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock wollen die Lausitzer Bündnisgrünen nun überlegen, wie man helfen könnte. Wer die Lausitzer Bündnisgrünen dabei unterstützen möchte, kann sich gerne an info@gruene-cottbus.de wenden.

Konkret könne man heute schon Hilfstransporte in die bedrohte ukrainische Stadt Odessa unterstützen, sagte die geschäftsführende Vorsitzende vom Cottbuser Menschenrechtszentrum e. V. Heide Schinowsky. Der Verein ist aktuell dabei, einen vierten Transport mit dringend benötigtem Material für Krankenhäuser in der Stadt am Schwarzen Meer zu organisieren. „Vermutlich um die Jahreswende können wir den Transport starten. Dabei wird jeder Euro helfen“, sagte Schinowsky. (Kontoinhaber: Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., Sparkasse Spree Neiße. IBAN: DE92 1805 0000 3000 0414 50, , Stichwort „Ukrainehilfe“).

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Kreisverband Pressemitteilung