03.10.2006

"Stolpersteine" für Cottbus

Foto: W. Wiehe

 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben erfolgreich angeregt, dass auch in Cottbus „Stolpersteine“ gelegt werden – zur Erinnerung an Menschen aus unserer Heimatstadt, die wegen ihres Glaubens, ihres ethnischen Hintergrundes oder ihrer politischen Überzeugung Opfer des Nationalsozialismus wurden.

Am 28. September 2006 konnten dank der vielen Spenden aus der Cottbuser Bevölkerung und dem Umland die ersten 11 "Stolpersteine" in Cottbus verlegt werden. Inzwischen sind es über 50! Wir danken allen Privatpersonen, Firmen, Institutionen und Vereinen, die diesen Erfolg möglich gemacht und damit ein Zeichen für mehr Toleranz und nachbarschaftliches Miteinander gesetzt haben!

Zum Hintergrund:

Stolpersteine“ sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Sie erinnern inzwischen in über 100 deutschen Städten an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas sowie an Euthanasieopfer im Nationalsozialismus. Es handelt sich um 10 x 10 x 10 cm große Betonsteine mit einer Messingplatte auf der Oberfläche. Diese trägt den Schriftzug „Hier wohnte“ bzw. "Hier wirkte" sowie den Namen, das Geburtsjahr, das Datum der Deportation und Angaben über das Schicksal des betroffenen Menschen. Die Steine werden direkt vor der Haustür der letzten Wohnung bzw. Wirkungsstätte der Opfer in den Bürgersteig eingelassen. Sie werden durch das Begehen blank poliert und der Passant stolpert mit den Augen darüber. Als „blinkende Erinnerungen“ geben sie den Opfern ihre Namen zurück und zeigen, dass Geschichte vor der eigenen Haustür oder in direkter Nachbarschaft geschieht.

Die Finanzierung der Steine erfolgt über Patenschaften. Ein "Stolperstein" kostet zurzeit 95 Euro.

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatte im Oktober 2005 einen Antrag zur Verlegung von "Stolpersteinen" in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, der mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Damit wird das Vorhaben durch die Stadt unterstützt. Am 7. Mai 2006 stellte Gunter Demnig sein Projekt in der Cottbuser Schlosskirche der interessierten Öffentlichkeit vor. Er war bereits  am 4. Oktober 2005 durch Bundespräsident Köhler für sein Engagement für dieses Projekt mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden.

Zu seiner Realisierung in Cottbus war eine Menge Arbeit nötig: Da 1945 die Cottbuser Einwohnerunterlagen zum größten Teil verbrannten, waren umfangreiche und zum Teil mühsame Recherchen nötig, um die Daten jüdischer und anderer Opfer zu rekonstruieren. Seit Januar 2006 hat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus interessierten Privatpersonen, mit Unterstützung des Stadtmuseums und des Stadtarchivs das Verfolgungsschicksal der ehemaligen jüdischen Bevölkerung versucht aufzuarbeiten und Vorschläge für die Verlegung der ersten "Stolpersteine" unterbreitet. Sie gedenken der Familien Hammerschmidt, einer Cottbuser Anwaltsfamilie, und Schlesinger, letzter Vorsteher der Cottbuser jüdischen Gemeinde, sowie Frieda Glasfelds, Bernhard Freykors, Bertha Pakullas und der Schwestern Karger.

Die Recherchearbeit ist nicht abgeschlossen. Die Arbeitsgruppe wird weitere Schicksale versuchen aufzuklären. Damit noch eine große Zahl von "Stolpersteinen" verlegt werden kann, erhalten wir unseren Spendenaufruf aufrecht. Ab Juni 2010 können die Spender/innen auch Spendenquittungen erhalten.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagte Gunter Demnig. -

Helfen Sie mit, an die Namen der Opfer zu erinnern!

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URL:https://www.gruene-cottbus.de/themen/expand/14118/nc/1/dn/1/